„Life´s a journey, not a destination.“

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Seit meinem letzten Beitrag ist schon wieder einige Zeit vergangen. Irgendwie hatte ich so gar keine Lust zu schreiben. Zu erzählen gibt es schon etwas. Wobei ich gar nicht so sicher bin, ob ich es wirklich erzählen sollte. Oder möchte. Hat man erst einmal etwas ausgesprochen, fühlt es sich irgendwie real an. Man kann es nicht einfach zurücknehmen, zumindest nicht, ohne sich mit Fragen derer, denen man es bereits erzählt hat, konfrontiert zu sehen.

Ich werde noch einmal studieren (!).

Molekularbiologie. Ab Oktober. Hier an der Karl Franzens Universität in Graz. Fühlt es sich richtig an? Ja, irgendwie schon. Habe ich Zweifel? Ziemlich. Es ist einfach etwas Anderes, direkt nach dem Abi zu studieren. Das entspricht irgendwie dem Lauf der Dinge. Mit Anfang 30 ist es ungewöhnlich. Man fühlt sich anders. Man ist auch anders. Ich bin auch anders.

Was wusste ich schon nach der Schule? Nicht viel. Ich meine das nicht so, wie es vielleicht verstanden wird. (Ich kann es nicht leiden, wenn ältere Leute jüngeren Leuten allein aufgrund Ihres Alters noch zu machende oder vielleicht sogar schon vorhandene Erfahrungen absprechen.) Ich meine damit, dass ich wirklich nichts wusste. Ich war nach der Schule einfach nicht so reif, wie es andere in diesem Alter möglicherweise sind. Ich wusste, dass ich studieren will. Allerdings war es nicht so, dass ich schon mit zehn Jahren unbedingt Anwältin oder Juristin werden wollte. Es ist irgendwie so gekommen. Natürlich nicht ohne mein Zutun; und selbstverständlich war das eine überlegte Entscheidung. Es war jedoch eine Entscheidung, die von meinem damals sehr im Jetzt lebenden, ausgesprochen jungen Ich getroffen wurde, welches glaubte, alles auf der Welt erreichen zu können. Alles machen zu können, trotz der Studienwahl. Ich glaube nicht, dass die Entscheidung falsch war. Ich glaube sogar, dass es durchaus der richtige Weg war. Worte liegen mir. Ich rede gern. Mag es zu argumentieren und bin gerne analytisch. Ich denke aber auch, dass es noch mehr gibt. Etwas, was mich vielleicht noch ein bisschen zufriedener macht. Etwas, was sich noch besser anfühlt. Etwas, was mir bedeutender erscheint. Vielleicht auch etwas, was nicht mit per se unterschiedlichen Meinungen und Auseinandersetzungen zu tun hat. Ich streite nicht gern (auch wenn es aufgrund meines lauten Wesens vielleicht manchmal so scheint.)

Wenn ich genau diese Gedanken ausspreche, sehe ich mich häufig der Frage ausgesetzt: Warum hast du dann Jura studiert? Mich ärgern solche Fragen. Auch wenn es vielleicht gar nicht so gemeint ist, höre ich da einen Vorwurf raus. Nämlich: Warum fällt dir das erst jetzt ein? Hättest du dir das nicht früher überlegen können?

Warum fällt mir das eigentlich erst jetzt ein?

Früher habe ich es einfach nicht gewusst. Nicht so, wie in diesem Sommer. Vielleicht hätte ich es wissen können; wobei die Umstände bisher immer auch ganz andere waren. Das Gefühl, was ich jetzt in dieser handlungsauslösenden Form relativ deutlich verspüre, ist eben erst jetzt in mir aufgekommen. Nicht vor zehn Jahren, nicht vor fünf Jahren. Jetzt bzw. in den letzten Monaten. Klar kommt die Idee, in einen anderen Bereich einzutauchen für einen selbst nicht unerwartet und plötzlich. Doch nur weil sich etwas die Jahre über vielleicht nicht 100 % perfekt anfühlt, heißt es nicht, dass es deswegen falsch ist, dass man deswegen sofort einen anderen Weg gehen muss; zumal es gut lief und es sich manchmal auch sehr richtig angefühlt hat. Selbstverständlich frage ich mich, ob es die 100% vielleicht gar nicht gibt. Vielleicht müssen 80% reichen? Andererseits glaube ich, dass sich nun mal in diesem Sommer eine phantastische Gelegenheit aufgetan hat, die so in der Form sicher nicht allzu bald wieder kommt. Außerdem bin ich davon überzeugt, dass man im Leben eher die Sachen bereut, die man nicht getan hat.

Die Situation, in der ich mich jetzt befinde, ist natürlich nicht ganz „unverschuldet“. Ich wollte nach Österreich. Ich wollte mich in einer Situation wiederfinden, in der ich mich umorientieren muss. Dass das am Ende in den Anfang eines Studiums der Molekularbiologie mündet, habe ich so nicht unbedingt kommen sehen.

Ist das wirklich der richtige Weg?

„Das ist mein Weg, welches ist Dein Weg? DEN Weg gibt es nicht.“ – Friedrich Nietzsche

Ich weiß es nicht genau. Manchmal bin ich voller Zweifel. Zweifel, ob ich wirklich eine Molekularbiologin sein möchte. Zweifel, ob ich überhaupt noch einmal studieren möchte. Zweifel, ob ich tatsächlich Teil der vornehmlich jüngeren Studentengemeinschaft sein kann.

…und irgendwie ist arbeiten auch bequem, wenn man sich erst einmal bewährt hat. Keine Prüfungen, keine Testfragen. Jeden Monat gibt es Geld.

Ich habe Angst, dass es ein riesiger Fehler sein könnte. Dass es mich als Juristin völlig disqualifiziert, wenn ich einen solchen Bruch im Lebenslauf habe. Ich habe Angst, dass mich ein solcher Bruch als Molekularbiologin disqualifiziert. Ich habe Angst, irgendwann womöglich feststellen zu müssen, dass meiner letzter Job der beste meines Lebens war. Und ich habe Angst, auch nach dem Studium nicht den vermeintlich perfekten Job zu finden. Vielleicht war das, was ich hatte, gut genug. Vielleicht geht es nicht besser.

Trotzdem mache ich es. Angst ist in solchen Sachen vermutlich ein schlechter Berater. Zumindest das hat die Vergangenheit gezeigt. Wenn ich all die Dinge, vor denen ich Angst hatte, nicht getan hätte, wären ein paar ziemlich tolle Sachen an mir vorbeigezogen.

Am Ende müssen wir immer mit den Konsequenzen unserer Entscheidungen leben.

Alle juristischen Entscheidungen, die ich getroffen habe, waren für mein Empfinden immer dann richtig, wenn ich sie gut durchdacht und recherchiert habe. Auch wenn manchmal Zweifel blieben. Ich hoffe also inständig, dass sich auch diese Entscheidung zu keinem Zeitpunkt falsch anfühlt!

 

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